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Tunesien 1999

Samstag, 24. April 1999 - 5:00h

Abfahrt ab Zürich Richtung Genua - und natürlich regnet es mal wieder. Wir sind schon früh Morgens - besser gesagt mitten in der Nacht - losgefahren, denn nichts sollte uns an diesem Tag davon abhalten können, am Nachmittag die Habib zu besteigen. Tunesien soll das Ziel unserer Fährfahrt werden, und da kann man es sich nicht leisten, zu spät zu kommen,. Das jedenfalls dachten wir damals noch, als wir in strömenden Regen durch die Nacht fuhren. Wir, das waren Roger, ich und natürlich seine TT und meine KTM. Zu viert sind wir aufgebrochen, um Abenteuer und vor allem viel Off Road fahren zu erleben. Das Frühaufstehen hat sich mal wieder gelohnt: Um 13:30h sollten wir in Genua sein, um rechtzeitig einzuchecken. So jedenfalls stand es auf unseren Tickets, und um 16:30h sollten wir ablegen. Wir waren wie immer zu früh: Um 11:00h waren wir eigentlich bereit, um an Bord zu gehen.... Doch wo war der alte Dampfer, der uns ein letztes mal von Genua nach Tunis bringen sollte? Naja, die alte Habib ist eben nicht mehr die Schnellste: Habib - La Goulette. So heisst der Kahn, auf dem wir das Meer überqueren wollten und nach unseren Erfahrungen, die wir schon auf der Marrakech gemacht hatten übersetzten wir La Goulette mit "die Scheisse". Wohl wissend der Qualitäten solch alter Fährschiffe. Als wir um 18:00h, unsere Kabinen bezogen hatten und das Schiff endlich loslegte, sah dann schon alles anders aus. Die Kabine 1. Klasse und vor allem das Essen war nicht zu vergleichen, mit dem Komfort der D4 Klasse auf der Marrakech. Wir konnten uns nicht beklagen. Auch das Volk auf dem Schiff war nicht dasselbe, wie wir es von unserer Überfahrt nach Marokko kannten. Waren wir auf der Marrakech noch so ziemlich die einzigen Touristen neben all den Marokkanern, stellt sich nun auf einmal heraus, dass es noch mehr Typen gibt, die fürs leben gerne in die Wüste fahren....

Sonntag, 25. April 1999 - 7:00h

Ich hatte prima geschlafen. Wen wunderts?! Mit Tabletten gegen Seekrankheit im Magen lässt man sich gerne von einem schaukelnden Schiff in den Schlaf wiegen. Währen der Überfahrt konnten wir bereits die Formalitäten für den Zoll in Tunis erledigen. Zeit hat man während der Überfahrt eh mehr als genug, und wenn man sich nicht gerade im unglücklichsten Zeitpunkt in die Schlange stellte, so hatte man es in einer guten Stunde erledigt: 3 mal Schlange stehen und schon hatte man zwei Farbige Stempel und unzählige Formulare und Zettel im Pass. Desto schneller war man dann am Abend durch den Zoll. In Tunis suchten wir und dann ein schönes Hotel. Schliesslich wollten wir noch einmal unter eine richtigen Dusche stehen. Im Carlton gab's sogar Fernseher, die ersehnte Dusche, fliessend Wasser, Strom und eine Toilette zum sitzen - das wichtigste in einem richtigen Hotel.

Montag, 26. April 1999 - schon wieder am Morgen (ich lass es wohl lieber mit den Zeitangaben)

Endlich waren wir in Tunesien. Wir hatten keine Lust dir Wüste länger auf uns warten zu lassen uns so verliessen wir Tunis schon in der Früh, schliesslich hatten wir von Tunis bereits genug gesehen. Wir sind ja auch nicht gekommen, um hier Städte anzusehen, sondern um mit den Töffs durch die Wüste zu fahren. Also los gings: Über Zahouan, Siliana, Makthar nach Sbeitla wo wir zu Mittag assen. Die Fahrt kam uns recht kurz vor. Es war eben auch ne schöne Gegend, um gemütlich die Kilometer in Richtung Süden zu fahren. - kein Vergleich zur fahrt am letzen Samstag auf der Autobahn. Das Mittagessen war prima - lag aber ein wenig schwer im Magen. Wir konnten und nicht entscheiden, was wir bestellen sollten und so bot uns unser Gastgeber an, uns etwas aus verschiedenen Speisen zusammen zu stellen. Ich glaube, er brachte uns einfach alles, was noch in der Küche war, an den Tisch. Über Kasserine fuhren wir dann weiter nach Gafsa, dem Tor zur Wüste! Doch wenn wir nun schon so weit waren, dann wollten wir noch die paar (100) Kilometer bis nach Tozeur (N33° 54.995' E8° 7.924') machen. Obwohl der Tag schon langsam zu ende ging, war es hier so heiss wie sonst noch nirgends auf unserer Reise. Wir waren am Rande der Wüste angekommen! Am Abend, als wir ein nettes Hotel gefunden hatten, konnten wir uns noch im Pool (!) erfrischen. Nicht ganz stilecht, aber es war trotzdem super.

Dienstag, 27. April 1999

Endlich war unsere Anreise zu Ende und unsere ersten Abenteuer auf dem Töff konnten beginnen. Wir liessen unser Gepäck im Hotel und fuhren mit dem Nötigsten (Werkzeug, Essen, Fotoapparat und reichlich Wasser) nach Nefta. Dort verliessen wir den Ort Richtung Norden. Unser GPS zeigte uns den Weg unserer Route. Ohne Piste, einfach querfeldein durch die Wüste. Wir hatten geplant den Chott el Gharsa zu durchqueren und mit einen kleinen Abstecher über Algerien nach Chebika zu gelangen. Von dort wollten wir dann über die Strasse bzw. Piste bis am Abend wieder nach Tozeur gelangen. Laut unserer Karte hätte es möglich sein sollen, den Chott an einer "schmalen" Stelle (ca. 7 km) zu überqueren. Es kam aber wie so oft ganz anders: Nachdem die Off Road Fahrerei abseits der Piste schon ziemlich viel Kraft gefordert hatte, versanken wir im viel zu Schlammigen Salzsee. Es war ganz schön schweisstreibend (nahe am Kreislaufkollaps), die Motorräder durch den Schlamm zu stossen. Ganz erschöpft erreichten wir die erste "Insel" im Chott. Es war uns sofort klar, dass wir es auf diesem Weg nicht schaffen würden, den Chott zu durchqueren, als wir auf der anderen Seite der "Insel" sahen, dass das Ufer noch lange nicht in Sichtweite rücken würde und der Untergrund uns und unsere Töffs nicht tragen würde. Wir mussten die Piste auf der Karte finden - und tatsächlich fanden wir diese dann auch. Leider war auch auf ihr kein durchkommen. Nach einigen gescheiterten Versuchen, als wir schon völlig erschöpft und die TT und KTM mit dem salzigen Matsch zu gekleistert waren, gaben wir unsere Expedition ins Ungewisse auf und suchten uns einen Weg zurück nach Nefta, um von dort wieder nach Tozeur zu gelangen. Dort fanden wir Zeit uns auszuruhen und am Abend trafen wir noch den "bekannten" Camel, ein verkannter Entertainer und Komiker, der sicher eines Tages Tozeur verlassen und zu einem grossen Star aufsteigen wird...

Mittwoch, 28. April 1999

Diesmal mussten wir unser gesamtes Gepäck aufladen, damit wir Tozeur verlassen konnten. Wir fuhren wieder nach Nefta, um von dort südlich um den grossen Chott el Jerid zu fahren. 110km Off Road! Wir erwarteten das grosse Abenteuer... Die Piste war aber nicht zu verfehlen und wir waren auch nicht die einzigen, die unterwegs waren. Noch andere Biker fuhren an diesem Tag diese Stecke (sogar mit Begleitfahrezeugen). Naja, die Navigation war ebenfalls sehr einfach, da wir genügend Wegpunkte ins GPS eingegeben hatten und es so nicht schwierig war auf Kurs zu bleiben. So konnten wir uns voll aufs Fahren konzentrieren und die anderen Biker hinter uns lassen: Gaaasss!!! Unterwegs kreuzte unser Weg eine Asphaltstrasse, die von El Faouar Richtung Westen führte. Auf keiner unserer Karten war diese eingetragen und sie sah auch recht neu aus. Kein Grund für uns die Piste zu verlassen und so fuhren wir parallel zur Strasse Richtung El Faouar, wo wir dann doch auf die Strasse wechselten, da sich das Wetter verschlechterte und ein Sandsturm aufkam. In Douz (N33 26.886' E9° 0.949') setzten wir uns dann in ein Café. Wasser! Unendlich viel Wasser! Die ganzen Tage in Tunesien konnte man gar nicht genug davon kriegen. Man schwitzte einfach mehr, als man durch die viel zu kleine Öffnung im Gesicht hätte in den Körper fliessen lassen können. Das Hotel "Roses de Sable" war schon recht welk und völlig heruntergekommen. Endlich hatten wir die Sorte Hotels gefunden, die wir eigentlich erwartet hätten und so schlossen wir schnell Freundschaft mit unseren kleinen, schwarzen Zimmergenossen.

Donnerstag, 29. April 1999

Von Douz nach Ksar Ghilane. Auf dem direkten Weg durch die Wüste nach Ksar Ghilane. Davon hatten wir schon zu Hause geträumt. Die wohl herausfordernste Stecke auf unserer Reise im "zahmen" Tunesien. Diesmal hatten wir eine extra Portion Wasser und Futter dabei, denn eines war uns klar: Bei dieser extremen Hitze von über 45°C hält man es nicht lange ohne aus. So beschlossen wir auf Nummer sicher zu gehen. Laut Karte hätte es von Douz bis Bir el Hadj Brahim eine Piste geben sollen und die wollten wir auf jeden fall benützen, um nicht schon am Anfang der Fahrt unsere Kräfte zu stark zu verbrauchen. Leider fanden wir diese nicht und laut Einheimischen in Douz hätte man diese auch nicht finden können. Zu stark waren die Stürme der letzten Tage, welche die Piste verweht haben. Wir beschlossen darum erst einmal zu üben: Runter mit dem Gepäck und rein in die Dünen. Sand fahren will schliesslich gelernt sein und wir hatten ja auch schon weniger gute Erfahrungen in Dünen aus feinem Sand gemacht. Nach den Sandstürmen der letzten Tage waren die kleinen Dünen bei Douz von der besonders fiesen Sorte... wir waren froh, als wir nach einigem herumtoben nicht weiter nach Ksar Ghilane fahren mussten, sondern wieder zurück nach Douz konnten. Diesmal hatten wir uns ein schönes Hotel ausgesucht. Tunesien ist eben extrem "turistisch" und warum sollte man sich nach einem hartem Kampf nicht was schönes, sprich einen Pool, gönnen?

Freitag, 30. April 1999

Von Douz nach Ksar Ghilane die Zweite. Nach unseren Erfahrungen vom letzen Tag und da uns unsere Karten im Ungewissen darüber liessen, was wir auf der direkten Route nach Ksar Ghilane so alles antreffen würden, entschieden wir uns für eine einfachere Route: Auf der Strasse einige Kilometer Richtung "Cafe Sahara", um dann über die Westliche Piste nach Bir Soltane (N33° 17.649' E9° 44.030') zu gelangen. Ein "kleiner" Sturz unterwegs hat mich wohl noch ein Jahr meines Lebens gekostet, mir aber ein paar ganz neue Erfahrungen und die Erkenntnis, wie Wertvoll ein Gedächtnis und Erinnerungen doch sein können, gebracht. Im Café Bir Soltane haben wir uns mit ein paar leckeren Brötchen gestärkt (auch wenn mir noch immer ein "wenig unwohl" war - eine Hirnerschütterung war es wohl, die ich auch noch am nächsten Tag spüren durfte). Nach der wohl verdienten Mittagsruhe fuhren wir weiter in die Oase. In Ksar Ghilane (N33° 3.188' E9° 46.589') haben wir dann einige Gesichter wieder getroffen, die wir schon auf der Habib kennengelernt hatten. Tunesien, und vor allem die Wüste im Süden, ist einfach etwas zu klein geraten. Zum Abendessen gab's dann wirklich gute Spaghetti nach tunesischer Art.

Samstag, 1. Mai 1999

Den ganzen Tag blieben wir in Ksar Ghilane. Am Morgen haben wir und mit den Töffs in den Dünen westlich der Oase ausgetobt. So macht Dünenfahren riesig Spass: Der Sand war ziemlich fest (kein Vergleich zu Douz) und wir konnten problemlos über die Dünen rauschen. Danach legten wir uns in die heisse Quelle der Oase, was zwar nicht wirklich erfrischend aber trotzdem herrlich war. Zum Mittagessen gab es dann wieder die gleichen Spaghetti wie am Vorabend (auf unserem Camping gab es eben nichts anderes) und einen hübschen Sandsturm, der sogar die Kamelherde am Rande der Oase zu übertönen vermochte. Am späten Nachmittag, als der Sandsturm sich legte begann dann nochmals das gleiche Spiel: Sand - Bad - Spaghetti!

Sonntag, 2. Mai 1999

So - nach zwei Nächten in Ksar Ghilane wollten wir nun weiter Richtung Westen in die Berge fahren. Dazu brauchten wir aber noch Benzin. Unsere 20 Litertanks reichten eben nicht für allzu lange Etappen. In der Oase gibt es zwar eine Tankstelle, Benzin hatten die aber schon seit Tagen keines mehr. Nach einigem "suchen" haben wir aber auf dem Zeltplatz doch noch ein paar Liter bekommen. Die Fahrt nach Tataouine führte uns durch ein paar Täler in die Berge. Nach den vergangen Tagen in der Wüste eine willkommene Abwechslung. Ausserhalb von Tataouine fanden wir auch ein schönes Hotel, wo wir am Fusse eines kleinen Tafelberges übernachteten (N32° 54.806' E10° 24.996'). Das Wetter hatte sich seit Douz kaum mehr beruhigt. Es war auch während der nächsten Tage mörderheiss und der Himmel mochte sich zwischen den immer wiederkehrenden, kleinen Sandstürmen kaum lichten. Es lag eine braune Wolke vor dem blauen Himmel.

Montag, 3. Mai 1999

Die Fahrt am Sonntag war zwar schön, aber Fahrtechnisch, wie auch in puncto Navigation wieder einmal zu wenig anspruchsvoll. Wenn's mir recht ist, hatten wir uns bis dahin noch nie verfahren!? Also suchten wir uns eine neue Strecke auf der Karte. Am Vorabend hatten wir bereits das GPS mit neuen Wegpunkten gefüttert. Die erste Etappe führte uns wieder einmal ins Café Bir Soltane. Und von dort ging es dann wieder in die Berge nach Matmata. In Matmata angelangt war der Tag noch jung und wir hatten keine Lust schon wieder zu ruhen. Also fuhren wir nach Tijma, um dort wieder Benzin zu Tanken und dann nach Kebili fahren. Zu unserer grossen Freude waren unsere Karten mal wieder falsch (wie so oft) und die "Strasse" zwischen Oum Ech Chia und Kenbili war eine Piste. Bis zum Erreichen von Kebili (N33° 42.361' E9° 58.143') hatten wir dann an diesem Tag eine ganz schöne Distanz zurückgelegt: Etwa 300km Off Road und Pistenfahrt plus ein "Stück" Asphalt.

Dienstag, 4. Mai 1999

Das wirklich grosse Abenteuer hatten wir noch immer nicht gefunden. Naja, man muss wohl ein bisschen weiter Reisen... Wie schon erwähnt: Tunesien ist eben viel zu "turistisch". Gegen Ende unserer Reise wollten wir unser Glück aber nicht noch mehr herausfordern und so entschieden wir uns am Morgen, doch nicht mehr, wie am Vorabend geplant, nach Süden, sondern langsam Richtung Norden zu fahren. Dass wir uns eben doch verfahren können, stellten wir an diesem Tag aber doch noch unter Beweis. Irgendwie mochten wir uns auch keine Mühe mehr geben, liessen das GPS beiseite und versuchten auf gut Glück die westlichen Ausläufer des Jebel Orbata zu überqueren - was dann auch nicht so richtig klappen sollte. An diesem Tag fuhren wir aber auch eine lange Etappe und so hatten wir keine Lust auf lange Off Road Touren. Es war eine schöne Fahrt: Die Überquerung des Chot el Fedjai mit seinem dahinter liegenden Gebirge, das einem den Glauben gab, mitten in Arizona zu sein und das "abenteuerliche" Mittagessen, waren nur einige Highlights des Tages. Am späten Nachmittag waren wir dann in Mahdia, wo wir uns ein Turihotel suchten, um uns noch ein wenig am Meer zu entspannen.

Mittwoch, 5. Mai 1999

Badeurlaub in Tunesen....

Donnerstag, 6. Mai 1999

Jetzt musste es wieder heimwärts gehen: Am Freitag startetet schliesslich die Habib wieder Richtung Genua. Wir fuhren an diesem Tag von Mahdia nach Tunis, wo wir den Nachmittag in der Stadt verbrachten.

Freitag, 7 Mai 1999

Schon relativ früh am Morgen machten wir uns auf den Weg nach La Goulette. Im Hafen trafen wir wieder Bekannte, die mit uns schon auf der Hinfahrt auf dem Schiff waren und die wir auch unterwegs mal wieder getroffen haben. Es ging wieder nach Hause...

Samstag, 8 Mai 1999

Die Habib hat's geschafft und uns bis nach Genua (N44° 24.718' E8° 54.844') gebracht. Nun lag es an uns und unseren Töffs bis in die Schweiz zu kommen. Von Genua ist es zum Glück nicht mehr weit und im Tessin wurden wir natürlich mit Regen empfangen: Voilà, la Suisse.

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