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Marokko 1996 (20. April - 12. Mai)

by RogerScherrer

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1. Tag (Sa)

Treffpunkt war der "Fressbalken" - Wührenlos bzw. das Mövenpickrestaurant an der A1 Richtung Bern, bei der Autobahnausfahrt Wülflingen. Zeitpunkt 03.00 Uhr. Schon die Fahrt dahin, circa 25 -30 km, war nicht gerade angenehm, denn die Wärmehandschuhe wärmten irgendwie viel zu wenig. Und wie sich herausstellte, sollte sich das für den Rest der Nacht nicht ändern! Jedenfalls waren wir 4 ( PascalBuchbinder, MarkTuchschmid, GuidoKuehne und ich) top motiviert und nicht zu bremsen, was sollte da schon ein bisschen Kälte ausmachen.

Wir fuhren also Richtung Marokko los, um das Abenteuer zu suchen. Eine Hand verkrampft am Gasgriff, die andere irgendwie am Auspuff, dessen Abgase ja bekanntlich relativ warm sind.

Tja, die Yamaha 600 TT machte mir schon von Anfang an viel Freude, indem sie das Abblendlicht zuerst flackern und schliesslich ganz ausgehen liess. Und das, wie gesagt, nachts auf der Autobahn! Aber die Autos kommen ja hauptsächlich von hinten ...

Brrr - Kaltes "erwachen" in der Morgensonne

Schon nach relativ wenigen Kilometern, ich glaube es war kurz vor Lausanne, wurde ich unsanft gezwungen den Benzinhahn auf Reserve zu stellen. Die Reserve sollte theoretisch bis knapp vor Genf reichen ... sollte, das heisst meine TT blieb kurz nach Lausanne mitten auf der Autobahn stehen. Die Folge von diesem "sollte" war, dass ich die Sitzbank, den Tank und die Zündkerze demontierte, um zu sehen, ob die Zündung noch funktionierte. Von Frieren war da keine Rede mehr, denn vor der Demontage gab es eine kleine Kickorgie. Nun, die Zündung funktionierte! Also beim Montieren des Tanks alles Benzin Richtung Benzinhahn und noch mal kicken. Welch ein Wunder, die TT lief wieder. Benzinverbrauch einer Yamaha TT 600 mit Dynojet auf Autobahn: 9 Liter / 100km !!!!!!!!!!!!!!

Wir erreichten Sète rechtzeitig um die Mittagszeit und genossen ein letztes Mittagessen in Europa, bevor wir die Fähre "Marrakech" Richtung Tanger betraten.

2. Tag (So)

Die Zeit auf der Fähre war eigentlich recht kurzweilig. Wir testeten Mark's GPS, ich versuchte der Übelkeit Herr zu werden, jedoch erst mit Pascals Medi mit Erfolg, sowie Routenplanung und so weiter. Ja, ja, die Reisekrankeitstabletten, die nun jeder von uns benutzte, machten echt müde, also lagen wir sehr häufig in unserer "geräumigen" Viererkabine um zu dösen.

Route

3. Tag (Mo)

Montag morgen in Tanger angekommen, hiess das Motto: "So schnell wie möglich aus dieser grossen Stadt hinaus!" So auf halbem Weg zwischen Ksar-el-Kebir und Souk-el-Arba-du-Rhab, erst ein paar Stunden nach Ankunft in Tanger, wollten wir mal etwas Schotter unter die Stollen kriegen. Also bogen wir irgendwo links ab. Ein Schottersträsschen quer durch die grünen Felder war dann die Folge. Doch nach wenigen hundert Metern stellte sich ein Bächlein quer zum Schotter. Der "befestigte" Weg durch das Wasser (so circa 15m lang bis 50cm tief) war uns zu nass; also daneben... Mark, der es als Erster (natürlich der mit dem schwersten Motorrad) probierte, kam genau eine Motorradlänge weit!

Tuchi

Da wir mit unseren MS (Menschenkräften) nichts ausrichten konnten, versuchten wir es mit erheblich mehr PS (TT und Elefant). Es war, wie man auf den Fotos sieht, auch damit nichts auszurichten.

Die Marokkaner, die inzwischen sehr zahlreich vertreten waren, wollten es mit einem Uralt-Traktor probieren. Doch auch dieser grub sich beim ersten Versuch ein!!!!!! Der zweite Versuch war, bis auf eine gerissene Hinterradspeiche an der Super Ténéré, erfolgreich.

Das Vorderrad wollte sich einfach nicht mehr drehen; warum wohl?! Nachdem wir das Vorderrad vom gröbsten Lehm befreit hatten und es sich wieder etwas zum Drehen überreden liess, wollte Mark die "reinigende" Fahrt auf dem Schottersträsschen, durch das Wasser, doch noch ausprobieren. Meinem Rat zufolge, die Füsse nicht von den Rasten und mächtig Gas geben, musste es eigentlich klappen. Und siehe da, Mark schaffte es hin und wieder zurück. Die Super Ténéré war wieder einigermassen sauber; Mark's Gesicht auch! Ich will damit sagen: Er war von oben bis unten platschnass!

Kaum zurück auf der Strasse, war es um uns geschehen, wir hatten Blut geleckt und wir wollten mehr. Wir bogen nun nach kurzer Fahrt irgendwo rechts ab. Was dann folgte war der absolute Wahnsinn. Wunderprächtiger, roter Boden, so etwas zwischen Sand und Erde, machte sich vor uns breit. Es war toll, die Männer und Frauen am Strassenrand feuerten uns an, zeigten uns die Richtung wo es weitergeht, obwohl sie gar nicht wussten wohin wir wollten. Es war wie an einer richtigen Rallye. Ich machte auch schon die ersten Bekanntschaften mit Querrinnen und versuchte die anderen davor zu warnen. Zu unserem Bedauern war es eine Sackgasse und zu unserem Glück durften wir die ganze Strecke nochmals in der anderen Richtung befahren.

Mark war immer noch ziemlich nass und wir wollten ja nicht, dass sich jemand in Marokko erkältet, also fuhren wir so schnell wie eben möglich in's nächste Dorf (Souk-el-Arba-du-Rharb), um dort im Hotel zu übernachten.

4. Tag (Di)

auf nach Fes Das Ziel des Tages ist die Königsstadt Fes. Der Weg führte uns über das Dorf Karia-Ba-Mohamed. In den Hügeln hinter dem Dorf machten wir eine kurze Mittagsrast, doch schon bald waren uns zu viele Neugierige aufgetaucht. Natürlich konnten wir es auch am 2. Tag in Marokko nicht lassen, die befestigte Strasse nicht zu verlassen. Also fuhren wir, ohne zu wissen wo genau wir uns befanden, der Nase nach. Die crossmässigen, geil griffigen Erdsträsschen hatten es mir angetan. Irgendwann fanden wir wieder auf eine grössere, befestigte Strasse; höchstwahrscheinlich die P26 die von Ouazzane nach Fes führt.

5. Tag (Mi)

Stadtbesichtigung Die Stadtbesichtigung in Fes war gar nicht mein Ding. Webstühle, alte Universitäten und unzählige "Muschis" (Moscheen) waren wirklich nicht der Grund für meinen Marokkoaufenthalt. Aber gekauft haben wir trotz der marokkanischen Hartnäckigkeit gar nichts.

Mark, Roger, Pascal, Guido

Auf dem Weg durch den Mittleren Atlas, wieder auf der Suche nach dem Offroad-Erlebnis, fuhren wir irgendwo ins Land hinein. Es wurde ein sehr, sehr steiniger Sackgassen-Ausritt.

Guido

Zurück auf der Strasse, genoss ich die Offroad-Strassenränder, die man nicht ohne Grund stehend fahren sollte! Beim Abbiegen auf die S330 nach Missour, erblicken wir zum erstenmal die Wüste. Uns allen verschlägt es die Sprache. Die schier unendliche Weite, die nicht in Worte zu fassenden Farben, das alles war wie ein Traum. Auch das immer trüber werdende Wetter, konnte uns nicht davon abhalten, in diese unbekannte Welt vorzustossen.

In Missour, einem völligen Kaff, finden wir ein Prachtshotel wie wir es selten gesehen haben. Wir beschliessen einen Tag zu bleiben, damit wir einmal ohne Gepäck die Sau rauslassen können.

6. Tag (Do)

Daraus wird jedoch nichts, weil der Wettergott alles daransetzt, dass wir die Umwelt nicht sinnlos verschmutzen. Eine Kaffbesichtigung, was ich ja wie gesagt sehr liebe (siehe 5.Tag), macht den Ausritt nicht wett. Mohammed, der in unserem Hotel arbeitet, zeigt uns den Markt und lädt uns zu sich nach Hause zum Tee ein.

Mark, Roger, Guido, Mohammed, Pascal

7. Tag (Fr)

Vor uns liegen 100 Kilometer Offroadstrecke bis .... na ja, soweit es dann halt reicht.

RogerRoger

Kaum auf der Piste, ein paarmal Gas gegeben, macht sich ein Konstruktionsfehler der TT bemerkbar. Der Schalldämpfer kappt die Bremsleitung auf der Hinterradschwinge. Nachdem ich so circa 57 mal in den Kurven geradeaus bin, habe auch ich begriffen, dass die Hinterradbremse tatsächlich nicht funktioniert!

MarkPascal

Irgendwie scheinen die Wege auf der Karte nicht mit denjenigen, auf welchen wir fahren übereinzustimmen. Irgendwann fahren wir vom Schotter-Strässchen auf einen Schotter-Pfad, dann wird es ein Schotter-"Kaum zu unterscheiden vom Rest" und zuletzt finden wir uns inmitten der absoluten Natur. Zu Deutsch, wir verfahren uns sinnlos im sprichwörtlichen Gestrüpp. Dank dem Kompass finden wir, dem Abend schon sehr nahe, wieder auf die ursprüngliche Schotterstrasse zurück. Es muss meiner Einschätzung nach irgendwo vor oder nach Toura gewesen sein.

Übernachtet haben wir dann im einzigen "Hotel" in Talsinnt. Ich weiss nicht mehr genau, wieviel der Besitzer zu Beginn der Verhandlungen verlangt hat, aber ich weiss genau, es war mehr als sonst irgendwo in Marokko. Am Ende bezahlten wir jedenfalls fast gar nichts mehr! Es war ja auch das einzige Hotel, in welchem man im Schlafsack ins Bett ging. Ich glaube es konnte sich trotzdem keiner von uns über mangelnden Schlaf beklagen.

8. Tag (Sa)

Die Etappe war das reinste Paradies für mich. Zuerst ein lockeres Einfahren auf Teer bis B-Tajjite. Dann folgte easy-cruising auf feinem Schotter. Auf den letzten Kilometern, vielleicht war es auch nur einer, vor dem Col de Belkassem konnte dann so richtig Gas gegeben werden. Die Strecke leicht ansteigend und schnurgerade, hier also wollte ich mal Vollgas geben und ich meine Vollgas. Der Tacho, soweit ich das noch beurteilen konnte, zeigte etwas zwischen 120 und 130 an, als ich, wie schon so oft, eine ziemlich tiefe Querrinne erblicke. Also vom Gas weg und Bremsen ..... Schei, schei, schei, scheisse, das reicht nie.... je schneller desto weniger tief fahre ich in die Rinne, quasi überfliegen und Gas.... Das Ganze habe ich in der Folge sicher noch 2 -3 mal gemacht - Ich weiss jetzt wenigstens genau, von wo ich meine Vorderradfelgenschläge habe!

Pascal, Roger, Guido

Nach einem herrlichen Ausblick beim Mittagessen auf dem Col de ... geht es weiter mit easy-cruising und driften und so weiter. Bis wir nach Tazouguerte ins tiefe Oasengrün eintauchen. Und hier auf Schotter driftend, dem Fluss entlang, kam mir der Gedanke ans Paradies. Ich glaube, wenn da noch ein paar langgezogene, schnelle Tables und eine Blondine im MAUI-Body mit uns fahrend gewesen wäre, hätten ich den Verstand vollständig verloren! Aber zum guten Glück war das nicht der Fall und ich kann von unseren Abenteuern berichten. Der Rest des Tages war ein schönes cool-down auf Teer und Er Rachidia war wirklich nett anzusehen.

9. Tag (So)

Nun ist der Tag gekommen, heute werden wir Sanddünen sehen, den Erg Chebbi. Ein im Vergleich zur Sahara winzig kleiner Sanddünenhaufen (30 * 10km). Wir fahren also in einem wunderschönen Tal Richtung Erfoud. Dort kaufen wir noch schnell etwas zu Essen und etwas Wasser und schon gehts los. Die Einwohner wollen uns zu den Dünen führen, da wir es sonst nicht finden würden, hiess es. Guido, wer sonst, nimmt also einen Führer für ein paar hundert Meter mit auf seine Dominator. Wir aber haben genug von dem Theater und versuchen unser Glück von da an allein.

Mark

Die Anfahrt war einmalig, schön flach und der Boden ein Gemisch aus Erde und Sand. Da und dort gab es einzelne Sanddünen, auf welchen ich dann das Dünensurfen, wie ich es nannte, zum ersten mal ausprobierte. Am Erg Chebbi angekommen, wir haben es ohne Probleme gefunden, stiessen wir auf ein Haus. Die Bewohner laden uns wie immer zum Tee ein und erzählen dabei von einer Oase mitten im Erg. Interessant, da wollen wir doch gleich mal hinfahren. Es wird uns die ungefähre Himmelsrichtung angezeigt und auf los gehts los. Aber wie es halt so ist beim Surfen, die ersten drei Stunden fällt man andauernd ins Wasser.

Roger

Beim Dünensurfen ist es mindestens mit schweren Zweizylindermaschinen nicht viel anders.

Fazit dieser Aktion:

  • Buchbi, Tuchi, Kühne voll Anschlag
  • Scherrer höchstwahrscheinlich Sonnenstich bzw. Hitzschlag
  • TT Kupplungshebel gebrochen (stört aber nicht weiter, da ich sowieso nur 2 Finger benutze)
  • TT Autodeko defekt (habe ich aber erst ein paar Tage später bemerkt)

Pascal

Tuchi

Wie auch immer, wir suchten uns ein traumhaftes Oertchen in den gemässigteren Dünen, um dort die Nacht unter dem Himmelszelt zu verbringen.

Diese Nacht werde ich nie vergessen. Ich bin alle Stunden aufgewacht und musste dunkelgrünen Schleim kotzen. Der Sternenhimmel war auch nicht so toll, wie ich mir das vorgestellt hatte, denn wir hatten einen sehr hell scheinenden Mond und verschwommen war es auch noch, ohne meine Linsen in den Augen.

10. Tag (Mo)

Der Morgen war schlimm, ich konnte die Sonne nicht ausstehen, mein Puls war dauernd auf ca. 140 und ich atmete wie nach einem Dauerlauf. Ich verdrückte noch mein "PowerBar"-Riegel und etwas Wasser, aber lange habe ich es nicht in mir behalten.

Wir machten uns also auf, um wieder zurück nach Erfoud zu gelangen. Nach wenigen Minuten, also gerade ausserhalb der Dünen machten wir meinetwegen schon wieder Rast in einer Art "Restaurant". Kaum hatte ich ein kühles Cola geschlürft, musste ich schon wieder, wie sagt man so schön, reiern. Ich legte mich daraufhin an der Hausmauer in den Schatten.

Wir, das heisst auch die anwesenden Marokkaner, versuchten alles, um mich wieder fit zu kriegen:

  • Medi von Pascal (blieb nicht lange im Magen)
  • Auf dem Bauch liegend mit Stein unter der Magengegend.
  • Bauchmassage
  • Akupressur zwischen Daumen und Zeigefinger (sehr schmerzhaft)

Während Pascal, Mark und Guido schon bald ein Mittagessen einnahmen, kam ich so langsam wieder zu Kräften, wenn man das so nennen kann. Daraufhin ging es nun wirklich auf direktem Weg nach Erfoud.

Dort setzten wir uns natürlich an den heissesten, staubigsten, lautesten Ort an der Hauptstrasse um Spaghetti zu uns zu nehmen. Es kam wie es kommen musste, nach zwei, drei Happen sah ich mich gezwungen, ein Hotel bzw. ein Bett aufzusuchen. Aber dieses mal konnte ich Pascals Medi behalten. Beim Abendessen im Hotel konnte ich sogar schon überredet werden, etwas Gries zu mir zu nehmen. Ich glaube das war auch gut so.

11. Tag (Di)

Roger, auf der Strasse nach Quarzazate Grobe Richtungsangabe "Atlantik", wir wollten irgendwann noch das Meer sehen. Das heisst, die Landkarte betrachtend, Richtung Ouarzazate. Auf dieser Etappe essen wir in einem Berberzelt zu Mittag. Wie man auf dem Foto erkennen kann, hatten wir Freude daran gefunden.

Kurz vor Ouarzazate musste ich und meine TT unbedingt nochmals einen Felsen bezwingen. Rauf war kein Problem, aber runter ohne Hinterradbremse!?!?.

Ouarzazate selber war eine echte Enttäuschung. Zu den 5 Girls im Club Med befrage man doch einfach Guido und Mark.

12. Tag (Mi)

Ziel Agadir - Stop - Abkürzung der Etappe über Schotter - Stop - 100km Off-Road - Stop - Von Anezal nach Aoulouz- Stop - Hatten wir das nicht schon mal so ähnlich!!!!!

Wie schon mal gesagt, die 1 zu 1Mio Karte und die Offroad - Wege stimmen einfach nicht überein und so verfahren wir uns unter dem Anblick des Hohen Atlas schon wieder. Und dieses mal vollständig und absolut. Wahrscheinlich werden wir jetzt in einem bestimmten Bergkaff als Teufel aus dem Tal verflucht, denn die wollten uns partout nicht zum Tee einladen, geschweige denn den richtigen Weg zeigen. Mir kam es wie eine Ewigkeit vor in dieser abgelegenen Gegend herum zu kurven. Irgendwann, so nach "mehr als die Hälfte des Benzins verbraucht", griff ich zur Karte und Kompass. Der Kompass sagte mir, dass wir genau nach Norden fahren und die Karte sagte mir; in Richtung Norden ist nur der Hohe Atlas und sonst nichts.......................

Pascal

Als ich dann nach x Kilometern und Guido's beinahe fahrlässigem Mord an seinen Pneu's, das erste Auto sah, das bestimmt mit Benzin angetrieben wurde, war ich ziemlich erleichtert. Wir waren alle ziemlich fertig, als wir dann in Agouim, das an der Hauptstrasse zwischen Marrakech und Ouarzazate liegt, ankamen. Guido, der sich nach seinen Angaben noch vor ein Auto geworfen hatte, wollte uns zuerst gar nicht mehr wiedererkennen.

Nach kurzer Rast, bei welcher wir eine Amerikanerin kennenlernten, der wir keinen Taxidienst leisteten, fuhren wir schon wieder nach Ouarzazate, um dort zu übernachten!

13. Tag (Do)

Ich glaube, irgendwie hatten wir genug von Schotter, Defekten und Verfahren. Also fuhren wir auf der geteerten Strasse in Richtung Atlantischer Ozean. Ich weiss mittlerweile nicht mehr, warum wir schon in Taroudannt, etwa 60km vor Küste, Halt machten, um zu übernachten. Aber ich glaube nach 2 Wochen intensivem Motorradfahren beginnt man halt etwas müde zu werden.

14. Tag (Fr)

Tja, wie gesagt, zum Meer bzw. Agadir war's nicht weit, aber wir wollten noch etwas weiter als nur 60km und so kam es, dass wir uns in Essaouira, Wind City Africa, dem Surfparadies niederliessen. Wir bewunderten die bunten "Schlabas", die Medina, den Strand und genossen weisse Toblerone vom "KIOSK". Kartenschreiben war angesagt und irgendwie wollte Strandferienstimmung aufkommen. Wir wollten also etwas ausruhen und noch einen Tag am Strand die Sonne geniessen.

15. Tag (Sa)

Und jetzt eine kleine Geschichte über Gott: "Und er sah, dass es wieder Zeit war, ein kleines Spielchen zu spielen. Also sprach er zu Petrus, er solle doch Regen bringen an den Strand, der da lag. Und so geschah es auch." Das nur ein kleiner Ausschnitt aus meinem neuen, noch nicht erschienenen Buch "Gods little Games".

Die Frage des Tages war, wie weiter. Der Küste entlang Richtung Casablanca wurde uns nicht gerade empfohlen. Wir entschieden uns also für Marrakech im Landesinneren.

16. Tag (So)

Schon wieder eine Grossstadt! Aber die Kulisse der Stadt vor den verschneiten Gipfeln des Hohen Atlas ist wirklich atemberaubend. Guido's Suche nach einem Bremshebel in der mittelalterlichen Medina, die nichts Neues brachte, brachte mich fast an den Anschlag, aber was tut man nicht alles. Den Abend verbrachte ich allein lesend im Hotelzimmer. Ich weiss, das ist dämlich, aber so bin ich halt.

17. Tag (Mo)

Weiter gings dem Fusse des Atlas entlang. Wir wussten alle, dass die Zeit der Heimreise gekommen war, aber wir wollten noch etwas erleben. Offroad fahren war irgendwie nicht mehr so gefragt, also suchten wir nach anderem wie zum Beispiel den Cascades d'Ouzoud, einem wunderschönen Wasserfall.

Die Nacht verbrachten wir in Beni-Mellal einer grässlich öden, farblosen Stadt. Aber die Crèpe war köstlich, wenn auch viel zu viel. Zum Glück für die Bettler!

18. Tag (Di)

Azrou!! So war der Name des Bergdörfchens in welchem Grauenhaftes geschah. Nach Angaben von Guido soll es in den umliegenden Wäldern Affen geben. Und da wir schon bei Affen sind, im Film "Indiana Jones und der Tempel des Todes" gab es in einer Szene beim Dinner Affenhirn. Und so sind wir schon beim Thema Abendessen und Hirn. Es tut mir wirklich leid Mark, dich daran erinnern zu müssen, aber der Gemüseauflauf (nach Guido's Angaben) war in Wirklichkeit Hirn, von was auch immer!!!

Meine Person war zum Glück nicht anwesend, da ich von leichten Magenkrämpfen im Bett festgehalten wurde. Aber den vollkommen verrückten Alptraum mit den Orangen und dem Motorrad in der Medina werde ich wohl nie vergessen.

19. Tag (Mi)

Viel Aufregendes geschah nicht mehr. Wir fuhren klar Richtung Tanger. Und machten zum zweiten Mal Rast in Souk-el-Arba-du-Rharb. In dem Kaff, in welchem mir ein Storch auf den "Helm" geschissen hat.

20. Tag (Do)

Tanger, die Stadt aus der wir am ersten Tag in Marokko quasi geflüchtet sind, entpuppte sich als sehr interessant. Wir genossen es wirklich, den Hauch von Europa zu spüren. Es war für uns alles wieder etwas normaler. Natürlich waren wir auch einiges abgehärteter in Sachen Grossstädte in Marokko. Aber es war die letzte Nacht auf dem Kontinent Afrika und das wussten wir alle.

21. Tag (Fr)

Das Essen auf der Fähre, war das Grösste für uns. Auf dem Hinweg verachtet, war es jetzt, nach drei Wochen Marokko, wie ein Geschenk des Himmels. Sogar das Fleisch war geniessbar. Nicht zu vergessen waren auch die Toilettenspülungen, die eine Zeitlang nicht mehr funktionierten. Mann, war das eine Sauerei!!!!

22. Tag (Sa)

Die Heimreise war so, wie sie immer ist. Alle wollen möglichst schnell nach Hause, man ist irgendwie gereizt und hat von allem die Schnauze voll. Aber 800km sind halt nicht ohne.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wir verloren Guido kurz vor der Schweizer Grenze, nahmen aber an, dass ein über 20-jähriger auch allein nach Hause findet.
  • Wir verfuhren uns.......auf der Autobahn und fuhren über Neuchãtel nach Hause.
  • Ab Solothurn, füllte ich den 595ccm grossen Brennraum meiner TT mit soviel Luft / Benzin-Gemisch wie möglich war.

Und die Abschiedszeremonie spielte sich auf der Autobahn mit ca. 140km/h ab. Ein kurzer Blick gefolgt von einem Handgruss und schon war derjenige Richtung entsprechender Ausfahrt verschwunden.

Pascal, Roger, Mark, Guido

Fazit:

  • Es war ein einzigartiges Erlebnis und Abenteuer und dass wir 2 Jahre später eine Fortsetzung in Tunesien planen, sagt eigentlich alles.

Verbesserungsvorschläge:

  • Nur 2 statt 3 Wochen.
  • Mehr Sand (Ich weiss, ich weiss)
  • Mehr Abenteuer (bedingt aber bessere Vorbereitung des Materials, der Ersatzteile und der Kondition)